Das allgegenwärtige Unbehagen
Stress, Hektik, Spannungsfelder, Konflikte, Erschöpfung, körperliche Schmerzen, emotionales Ungleichgewicht, Wutausbrüche, Panik, Ängste, Süchte und unausgewogene Beziehungen: Das sind nur einige Symptome aus einer breiten Palette an Herausforderungen im Leben. Oft versuchst du, dem Unbehagen zu entkommen, das ständig als Hintergrundrauschen oder ganz akut in deinem Leben da ist. Doch du stellst fest, dass dich das Unbehagen — in welcher Form es sich auch zeigt — wie ein Schatten verfolgt.
Dein Unbehagen verfolgt dich wie ein Schatten.
Starke Emotionen als Überlebensstrategie
Es ist nicht so, dass du dich nicht bemühst, aber du kannst dich fragen, ob deine Bemühungen wirklich etwas bewirken. Die eben genannten Faktoren gehen oft mit starken Emotionen einher. Diese haben die Eigenschaft, dich in dein unbewusstes Feld zu ziehen und die Führung zu übernehmen. Du identifizierst dich mit diesen Emotionen und lebst sie auf die unterschiedlichsten Weisen aus. Dann bist du in einem unbewussten Reaktionsmuster gelandet, einer Erinnerung an eine alte Überlebensstrategie, die dich weit von deinem wahren Selbst wegführt.

Gefangen im eigenen Lebensdrama
Du identifizierst dich mit deinem Schmerz und mit deinen Lebensgeschichten, die dir ein Gefühl von Identität geben und rechtfertigen, warum du bist, wer du bist. In deinen Gedanken ist die Repeat-Taste gedrückt. Immer wieder durchlebst du deine Abenteuer und die Worte, die gesagt wurden. Die Symptome tarnen sich als Einladung, von deiner Dramasucht zu heilen. Deine Dramen beginnen und enden hundertprozentig mit Schmerz. Da ist eine unbewusste Weigerung, dem eigenen Schmerz ins Auge zu sehen und über ihn hinauszuwachsen, weil du Angst hast, dass dein eigenes Drama zu Ende geht. Denn wer bist du dann ohne Schmerz? Davon hast du noch keine Ahnung.
Du hast Angst, dass dein eigenes Drama zu Ende geht.

In der Falle der Zeit
Jeder tut es. Du bist keine Ausnahme. Auch du bist in die Falle der Zeit getappt. Du lebst aus dem Zeitbewusstsein heraus und nicht aus dem JETZT. Das beginnt schon beim Aufstehen. Deine Gedanken schweifen ab zu Ereignissen und Menschen aus einer fernen oder nahen Vergangenheit oder springen voraus in eine idealere Zukunft, die du dir selbst vorgaukelst. Dieser Gedankengang wird von starken Emotionen begleitet, die sich als körperliche Beschwerden zeigen. Es ist ein zwanghafter Prozess, dem du scheinbar nur mühsam entkommen kannst. Natürlich, denn du siehst nichts anderes um dich herum. Du lebst aus Erinnerungen (Vergangenheit) und aus eingebildeten Wünschen (Zukunft). Dadurch verpasst du jedoch das große Galafest des JETZT. Du verlierst deine kostbare Zeit.
Verpasse nicht das große Galafest des JETZT.
Die Widerstandstruppen in Reih und Glied
Sobald du beschließt, dass du etwas an deinem Leben ändern möchtest, und Schritte unternimmst, um dich besser zu fühlen, marschieren deine Widerstandstruppen auf. Du spürst Widerstand und Urteile, orchestriert von deinem Verstand. Du hast recht, der andere hat unrecht. Du bist hier, willst aber dort sein. Du spürst, wie der Stress steigt. Du gerätst in Konflikt mit dir selbst oder mit deiner Umgebung. Dein Konflikt ist ein Zusammenprall zwischen den Forderungen und Erwartungen, die dein Verstand dir auferlegt, und dem, was IST. Das ist eine Bewegung, mit der du dem Leben ausweichst. Du bist vollkommen aus dem JETZT verschwunden.
Stress = Du bist hier, willst aber dort sein.

Das JETZT rettet dich aus dem bodenlosen Abgrund der Vergangenheit
Stell dir eine Sanduhr als Metapher für den Lauf der Zeit vor. Der Sand, der in der unteren Hälfte landet, symbolisiert die Zeit, die wir schon verbracht haben. Der Sand, der noch durch die schmale Öffnung rieseln muss, steht für die Zukunft. Du hast keine Ahnung, wie viele Sandkörner dir noch bleiben, wie viel Zeit dir gegönnt ist. Doch du verbringst viel Zeit damit, in den bodenlosen Abgrund der Vergangenheit abzutauchen, die eigentlich keine Vergangenheit ist, sondern ein roter Faden aus Erinnerungen an frühere JETZT-Momente. Weil du Angst hast, dass sich die Vergangenheit wiederholen könnte, machst du dir Sorgen um die Zukunft, die ebenfalls nicht existiert, sondern ein roter Faden aus ersehnten JETZT-Momenten ist, die erst noch kommen. Dadurch verpasst du die schmale Öffnung des JETZT. Den einzigen Moment, der zählt. Den einzigen Moment, den du brauchst.
Das JETZT ist der Schlüssel zu dir selbst
Im JETZT gibt es kein Zeitbewusstsein. Deine Probleme, deine Sorgen und dein schmerzliches Leiden können im JETZT unmöglich überleben. Sie verschwinden. Du nimmst wahr, ohne die Brille deines Verstandes. Du erwachst im Leben. Wenn du im JETZT bist, wird alles klarer und lebendiger. Du nimmst wahr, dass das Leben buchstäblich durch alles hindurchströmt. Du erfährst eine tiefe Liebe für all dieses Leben. Ein intensives Gefühl von Frieden ist die Erfahrung, die du ausstrahlst. Du bist anwesend. Du bist in deinem Wesen.
Im JETZT verschwindet dein Schmerz.

Lausche der vibrierenden Stille zwischen jedem Atemzug.
Es ist so einfach, dass wir es schwierig machen. Ein paar Tipps.
An sich ist es nicht so schwer, im JETZT zu sein, aber wenn du mit allem mitsurfst, was dich von diesem wertvollen Moment ablenkt, kann es enorm schwierig erscheinen. Ein paar Tipps können dir dabei vielleicht helfen:
- Lerne, nach innen zu gehen. Übe, tief nach innen zu schauen. Was erfährst du? Was geschieht in dir? Wie gehst du damit um? Nimm dich selbst wahr. Jeden Tag.
- Lausche deinem inneren Körper bei deinen alltäglichen Tätigkeiten, nicht nur während deiner Meditationen. Jeden Tag.
- Werde dir deines Körpers bewusst. Welche Signale gibt er dir? Was erzählt er dir? Erlebst du dich als anwesend oder als abwesend? Wenn Letzteres der Fall ist, dann korrigiere es. In deinem Körper anwesend zu sein, gibt Vertrauen. Jeden Tag.
- Tu alles, was du tust, mit deinem vollen Bewusst-SEIN im Moment. Sei mit deiner Aufmerksamkeit, deiner Fürsorge und deiner Liebe dabei. Alles, was du berührst, bekommt eine tiefere Qualität. Richte deine Aufmerksamkeit auf die Handlung selbst und lass das erwartete Ergebnis los. Jeden Tag.
- Lass das Licht deines Bewusst-SEINS auf Themen, Situationen und Beziehungen scheinen, mit denen du dich schwertust. Was geschieht dann? Jeden Tag.
- Übe dich in innerer Annahme für alles, was dir in deinem Leben begegnet ist. Du liest richtig. Alles! Nimm alles an, was jetzt geschieht. Alles. Lass dich nicht auf Argumente, Verteidigung oder Begründungen ein. Nimm an. Das ist eine kraftvolle und befreiende Bewegung. Jeden Tag.
- Empfinde Dankbarkeit für das Leben, für all deine Erfahrungen und Abenteuer, dafür, wer du bist. Jeden Tag.
- Schenke der Stille mehr Aufmerksamkeit als den Geräuschen. Lass die Geräusche durch dich hindurchgehen und erfahre die Stille dahinter. Mach die Stille zu deiner Priorität. Lausche der vibrierenden Stille zwischen jedem Atemzug. Jeden Tag.
- Dieser Tipp darf auf keinen Fall fehlen, denn er ist der rote Faden in diesem Blogartikel. Vermeide jeden grübelnden Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft. Verlagere deinen Fokus, wenn es doch passiert. Komm ins JETZT, in diese schmale Öffnung, die dich in einen unermesslichen leeren Raum führt. Jeden Tag.
Noch eine schöne Übung zum Abschluss
- Setz dich ruhig hin.
- Lass deine Gedanken ruhig kommen.
- Zu einem bestimmten Zeitpunkt, den du selbst wählst, stellst du dir die Frage: ‚Ich frage mich, was der nächste Gedanke sein wird.‘
- Du wartest ab…
- Was geschieht?
- Wenn du es richtig machst, wirst du überrascht sein.
Das JETZT ist immer da
Deine Anwesenheit im JETZT ist DER Schlüssel zur Freiheit. Eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam im JETZT anwesend ist, erschafft ein kraftvolles Feld kreativer Intelligenz. Gemeinsam sorgt ihr für eine kollektive Transformation. Das JETZT ist immer da. Genieße es in vollen Zügen.
Hilde Van Bulck
- Awareness Architect, Rednerin, Autorin
- Systemische Aufstellungsleiterin und Beraterin
- Botschafterin für Belgien und Direktorin der Wissenschaftlichen Abteilung für Bildung und Aufstellungen bei Constellators International.



